Digitales Nomadentum – die Arbeitsform der Zukunft?


Das Leben als digitaler Nomade ist angesagt wie nie zuvor. Natürlich klingt es verlockend, die kalten Herbst- und Wintermonate Nordeuropas gegen ein sonniges Plätzchen irgendwo im Süden zu tauschen. Zahlreiche Firmen haben im Rahmen der Corona-Pandemie ihre Angestellten ins Home-Office geschickt und dabei festgestellt, dass die ortsunabhängige Form des Arbeitens (vor allem in digitalen Berufen) genauso funktioniert wie vor Ort in einem Büro. Zu den Angestellten, die sich ihren Arbeitsort nun frei aussuchen können, kommen traditionell die zahlreichen digitalen Freelancer, die bereits vor 2020 als digitale Nomaden in der ganzen Welt unterwegs waren.
Es ist etwas schwierig, in einer genauen Zahl zu benennen, wie viele digitale Nomaden unterschiedlicher Ausprägung es weltweit gibt, so schwankt eine Schätzung zwischen 500.000 und mehreren Millionen Menschen, die hauptsächlich oder größtenteils ihre Brötchen in digitaler Manier auf der Reise verdienen. Und die bekannteste Messe für digitale Nomaden in Deutschland, die DNX, zählt auf ihren unterschiedlichen Veranstaltungen bereits mehr als 10.000 Teilnehmer. Man kann also festhalten, dass es weltweit – und auch in Deutschland – eine große Community digitaler Nomaden gibt. Doch wie wird man eigentlich ein digitaler Nomade, welche Chancen bietet dieser faszinierende Lebensstil und welche Dinge sind unbedingt zu beachten, wenn man nicht bereits nach wenigen Wochen ausgebrannt und gestresst sein möchte? Dieser Artikel soll unter anderem diesen Fragen nachgehen.

1. Was brauche ich um ein digitaler Nomade zu werden?

Man benötigt sehr wenige Tools um ein digitaler Nomade zu werden – die Vorbereitung und Planung des digitalen Nomadenlebens können es aber wirklich in sich haben. Rein theoretisch kann jede Person, die über einen Laptop und etwas Geld für den Flug sowie für die ersten Wochen in einer Unterkunft verfügt, direkt loslegen. Doch logischerweise gehört zu einem geglückten und erfolgreichen Nomadenleben mehr als das. Neben der finanziellen Situation, die so geregelt wie möglich sein sollte, ist es ratsam, darauf zu achten, eine gesunde Work-Life-Balance zu haben. Nun könnte man denken „Dreht sich beim digitalen Nomadentum nicht alles um eine hohe Lebensqualität?“ Doch so einfach ist es nicht. Viele moderne Nomaden, die auf ihren Reisen in unterschiedlichen Unterkünften arbeiten, empfinden es oftmals als schwer, Arbeit und Beruf so zu trennen, dass sie sich damit wohlfühlen. Ähnliches empfanden auch Millionen Deutsche während der Corona-Pandemie, als sie wenig freiwillig vom Büro ins Home-Office wechseln mussten. Laut einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung empfindet die Hälfte der Erwerbstätigen ihre Situation beim Home-Office als stark oder äußerst belastend, bei Alleinerziehenden oder Geringverdienern sind es sogar 62 Prozent. Damit das nicht im vermeintlichen Paradies des digitalen Nomadentums geschieht, muss man Vorsorge treffen. Hier sind 3 praktische Tipps:

  • - Sucht euch schon vorab sowohl eine Unterkunft, in der ihr schlafen werdet, als auch einen davon getrennten Ort, um zu arbeiten! Direkt in seinem Zimmer zu arbeiten ist eine Garantie dafür, dass man schon sehr bald keine funktionierende Work-Life-Balance mehr haben wird. Es gibt Coworking-Spaces, an denen ein Hotel bzw. Hostel angeschlossen sind; das ist in Ordnung, solange Privat- und Arbeitsräume klar voneinander getrennt sind.
  • - Sucht euch so schnell wie möglich ausreichend private Kontakte, damit ihr nach getaner Arbeit die Gegend gemeinsam erkunden und Spaß haben könnt. Oftmals profitieren digitale Nomaden auch beruflich voneinander, indem sie sich gegenseitig empfehlen oder bei Projekten kooperieren. Das sollte hier aber nicht im Fokus stehen. Trennt also auch hier private und berufliche Dinge.
  • - Brennt nicht alle Brücken zu eurem alten Leben ab. Ihr wisst nicht, ob und wie lange eure Karriere als digitale Nomaden halten wird und es lebt sich einfach leichter, wenn man einen Plan B hat. Der „Weg zurück“ ist in keiner Hinsicht eine Niederlage, denn die zahlreichen positiven, bereichernden Erfahrungen auf eurer Reisezeit kann euch niemand mehr nehmen.
  • Werdet ihr diese Tipps beachten und an die Sache mit guter vorheriger Planung herangehen, stehen die Chancen gut, dass euer Leben als digitaler Nomade lange gelingt – und unglaublich bereichernd wird.

2. Warum dieser Lebensstil so bereichernd sein kann

Was uns direkt zu diesem Punkt bringt. Das Leben als digitaler Nomade ist weniger Beruf als Berufung. Man arbeitet nicht, um dann wenige Stunden des Tages mit einer Pizza vor dem Fernseher zu verbringen, sondern man arbeitet, um wirklich zu leben. Man erkundet Länder, deren Kultur und Kulinarik, und finanziert sich diese Erfahrungen mit seiner (digitalen) Arbeit. Das Argument, dass ein Leben als digitaler Nomade ein Leben ohne Verpflichtungen ist, möchte ich jedoch bewusst entkräften. Nur die allerwenigsten digitalen Nomaden haben keinen Chef oder keine Kunden, die sie mit ihrer Arbeit täglich zufriedenstellen müssen. Das Leben als digitaler Nomade bestimmt sich durch neue Erfahrungen – nicht durch ein Fehlen an Verpflichtungen.

3. Erhaltet mehr als ihr gebt

Das moderne Nomadenleben kann euch einiges abverlangen. Ihr werdet euer gewohntes Umfeld für eine vorher festgelegte oder ganz und gar unbekannte Zeit verlassen, eure Familie und Freunde länger nicht sehen und auch auf viel Komfort und Sicherheit verzichten. Macht euch also schon im Vorfeld viele Gedanken darüber, was ihr erleben wollt, damit dieser Tausch für euch funktioniert. „Erhaltet mehr als ihr gebt“… Das mag zwar reichlich hedonistisch klingen. Um ein glückliches Nomadenleben zu führen, sollte man sich diesen Satz aber verinnerlichen.
Ob das digitale Nomadentum wirklich – wie im Titel angedeutet – ein Arbeitsmodell der Zukunft ist, wird sich unter anderem an der Frage entscheiden, ob der Deal zwischen dem, was man dafür opfert und was man erhält, für viele Menschen aufgeht. Noch sieht es so aus, als dass die allermeisten digitalen Nomaden mit ihrem Leben sehr zufrieden sind und ihren Schritt nicht bereuen.


4. Wo ist der beste Ort für digitale Nomaden in Europa?

… diese Frage pauschal zu beantworten, fällt schwer. Die meisten Länder in Europa haben gewisse Vorzüge und Nachteile. So machen etwa Estland, Finnland oder Norwegen den digitalen Behördengang bei längeren Aufenthalten leichter und ihre digitalen Nomaden mit besonders schnellem Internet glücklich, überzeugen durch ihre geografische Lage aber weniger als südeuropäische Länder mit viel Sonnenschein und milden winterlichen Temperaturen. Frankreich und Griechenland sind zwar hinsichtlich des digitalen Lebens in manchen Regionen noch etwas rückständig, besitzt aber eine enorm hohe Lebensqualität. Werden die unterschiedlichsten Faktoren in die Überlegung aufgenommen, so scheinen sich die meisten digitalen Nomaden in Europa entweder für Spanien oder Portugal zu entscheiden. Dort ist die Schnittmenge zwischen digitalen Möglichkeiten und dem ganzjährigen Wetter augenscheinlich am größten. Wir möchten euch hierzu diesen Artikel über digitales Nomadentum auf den Kanarischen Inseln empfehlen, wo seit September 2020 bereits ein beachtlicher Zuzug von über 8.000 Nomaden verzeichnet wurde. Für viele digitale Nomaden außerhalb Deutschlands ist auch Berlin ein gewisser Sehnsuchtsort, ist es doch das urbane kreative Zentrum Europas. In den letzten Jahren konnte sich aufgrund der gemütlichen Cafés und der wachsenden Zahl an Coworking-Spaces zudem die tschechische Hauptstadt Prag über viel Interesse aus der Nomaden-Community freuen.

5. Angebote für digitale Nomaden bei Myecostay

Wir werden schon sehr bald in unser Angebot auf Myecostay Unterkünfte aufnehmen, die sich spezifisch an digitale Nomaden richten. Voraussichtlich wird sich die erste Unterkunft auf den wunderschönen Kanaren befinden und die Mindestdauer für den Aufenthalt wird wohl 3 Wochen betragen. Mehr als das können wir noch nicht verraten, werden diesen Artikel aber sobald aktualisieren, wie wir die Unterkünfte in unser Angebot aufnehmen. Das Ganze geschieht noch rechtzeitig vor den kalten Wintermonaten, damit der (bestenfalls wohl geplanten) Reise in das digitale Nomadenleben nichts im Wege steht. ;)

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