Bio-Landwirtschaft in Frankreich?

Langsam aber sicher: Bio auf dem Vormarsch

Die Bioproduktpalette, die auf dem französischen Markt angeboten wird, ist sehr vielfältig und umfangreich. In einigen Bereichen, wie etwa in der Wein- und Milchproduktion, kann die Nachfrage von heimischen Anbietern gedeckt werden. Insgesamt muss Frankreich jedoch weiterhin ca. 30 % aller Bioprodukte importieren. Biologische Lebensmittel werden über vier Hauptvertriebswege vermarktet: große Lebensmittelmärkte, spezialisierte Bioläden, Direktverkauf und über den Einzelhandel. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass der Verkauf von biologischen Lebensmitteln 19% des Lebensmittelumsatzes in Frankreich ausmacht. Damit liegt Frankreich in Europa auf dem 2. Platz hinter Deutschland mit ca. 32%. Kurz, es hat sich schon viel getan. Es fehlt jedoch immer noch an politischem Willen, z.B. für die Bereitstellung von finanziellen Mitteln, wodurch die notwendige Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft weiterhin gebremst wird. Sieben von zehn Franzosen konsumieren regelmäßig Bioprodukte, darunter 65 % mindestens einmal pro Monat, 24 % mindestens einmal pro Woche und 8 % täglich.

Galt Frankreich in den 70er Jahren noch als Wegbereiter der europäischen Biolandwirtschaft, so macht der ökologische Anbau Ende 2016 5,7% der landwirtschaftlich genutzten Flächen aus. Damit liegt Frankreich weit hinter dem Vorbild Österreich, wo der ökologische Anbau über 17% der gesamten Anbaufläche ausmacht. Auch in Schweden und Italien beträgt die biologisch bewirtschaftete Fläche mindestens 11%. Trotz dieses bescheidenen Ergebnisses schreitet der Trend in Frankreich voran. Selbst in Krisenzeiten konnte die biologische Landwirtschaft bemerkenswerte Zuwächse verzeichnen und viele regionale Arbeitsplätze schaffen.

Zwischen 2010 und 2016 wuchs die Bio-Anbaufläche in Frankreich um nahezu 60% auf rund 1,5 Million Hektar an. Im 2016 gab es landesweit 32.326 Hersteller von Bio-Produkten. Es bestehen jedoch große regionale Unterschiede (siehe unsere Rubrik: französische Regionen). Die meisten Bioanbaugebiete befinden sich im Süden des Landes vor allem im “Okzitanien”. Einige Dörfer, wie z.B. Correns im Departement Var, haben ihre gesamte Landwirtschaft dem ökologischen Anbau verschrieben.

Die FNAB (Fédération Nationale d'Agriculture Biologique des régions de France), dass die Anstrengungen der französischen Landwirte, umweltschonende Maßnahmen umzusetzen, nicht ausreichend unterstützt werden. Zudem betont sie den Unterschied zwischen hochtrabendem politischem Diskurs und der Realität in diesem Sektor.
Die biologisch-dynamische Landwirtschaft, bekannt unter der Marke Demeter, die in Deutschland sehr geschätzt wird, ist in Frankreich noch nicht über die Nische hinausgekommen, entwickelt sich aber vor allem im Weinanbau zunehmend weiter. Sie stellt die höchste Reglementierungsstufe der biologischen Anbauweise. Die strengen Anforderungen sind in dem Pflichtenheft „Produktion, Umwandlung und Weinbereitung“ zusammengefasst und gehen in vielen Aspekten weit über die normalen Anforderungen der ökologischen Landwirtschaft hinaus. Zu den zusätzlichen Kriterien gehören u.a. die Achtung der Pflanzen, der Einsatz auto-produktiven Saatguts und nicht-hybrider Sorten, die Fruchtfolge, die Anwendung von grünem Dünger und die Limitierung von intensivem Wachstum.

Neben landwirtschaftlichen Institutionen setzen sich weitere engagierte Akteure für die ökologische Landwirtschaft in Frankreich ein.
Zu ihnen gehören u.a. die Kooperative Kokopelli, die für Lebensmittelvielfalt kämpft und fordert, dass „das alte sowie das neue Saatgut aus dem Applikationsfeld der Legislative des Saatguthandels herausgenommen wird“ und somit in die europäische Liste des erlaubten Saatguts aufgenommen werden kann.
Ein weiteres Beispiel ist das Netzwerk der AMAP (Associations pour le maintien d'une agriculture paysanne), dessen Ziel es ist, eine direkte Verbindung zwischen den Landwirten und den Konsumenten herzustellen. Die erste AMAP wurde 2001 gegründet und wächst seitdem rasant an und ist in fast allen Regionen Frankreichs vertreten. 2015 gab es bereits 2000 Netzwerke, was insgesamt rund 55 000 Familien und an die 210 000 KOnsumenten entspricht.
Zudem schließen sich immer mehr Landwirte in regionalen Verkaufsgemeinschaften zusammen, um an zentraler Steller, in gemeinschaftlich betriebenen Bauernläden, ihre Erzeugnisse direkt an die Endkunden zu verkaufen. Ebenfalls im Kommen sind urbane Gemeinschaftsgärten, in denen die Bewohner einer Stadt oder eines Viertels gemeinsam auf solidarische und umweltschonende Art Gemüse anbauen. Auch das Programm L'abeille, sentinelle de l'environnement spielt eine wichtige Rolle bei der Erhaltung und der Entwicklung einer wirklich biologischen Landwirtschaft in Frankreich.

In unserem Blog finden Sie weitere Informationen zur Entwicklung der biologischen Landwirtschaft in Frankreich sowie zu regionalen und solidarischen Erzeuger- und Verbraucherinitiativen wie AMAPs, Bauernläden und Gemeinschaftsgärten.

Quellen:
www.agencebio.org
www.insee.fr
www.demeter.fr
www.demeter.de
www.fibl.org

Zum Weiterlesen (vorwiegend auf Französisch):

Kokopelli – auf Englisch
Abeille sentinelle – auf Französisch
Le réseau AMAP – Associations pour le Maintien d'une Agriculture Paysanne – auf Französisch
FNAB : Fédération Nationale d'Agriculture Biologique – auf Französisch
Bio-consommateurs – auf Französisch
Bio-dynamie – auf Französisch